2025 - Dezember: Tiere und Blühstreifen im Winter

Im Winter passiert wenig sichtbares in einem Blühstreifen. Alle Pflanzen sind entweder abgestorben oder in Winterruhe, Wachstum kann man nirgends beobachten. Hält man sich aber einige Zeit an unserem Blühstreifen auf, kann man trotzdem Leben erkennen. Im Winter dient der unbearbeitete Blühstreifen, mit seinen toten stehenden Stängeln und abgestorbenem Pflanzenmaterial auf dem Boden, in, im Gegensatz zum Acker nebenan, seiner Ungestörtheit als Ort zur Überwinterung und als Nahrungsquelle. Das betrifft natürlich in erster Linie Insekten, für die wir den Blühstreifen ja auch in erster Linie anlegen. Es können aber auch einige größere Arten von unserem über Winter stehendem Blühstreifen profitieren. Aus eigener Erfahrung kann man vor allem Hasen beobachten, die das ganze Jahr hier leben und auch über Winter in ihren Bauen zu finden sind.

Deutlich schwieriger zu beobachten sind dagegen kleinere, seltenere Arten wie der Feldhamster. Auf unseren beiden Blühflächen konnten wir noch keine Exemplare finden, aber nach einer Untersuchung von Christina Fischer et al. (2014) der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft ist die Zahl an Feldhamsterbauen auf mehrjährigen Blühflächen deutlich erhöht. Das zeigt, dass gerade auch das Winterhabitat für die bedrohte Art von großer Bedeutung ist. Hier kann der Feldhamster in direkter Nähe zum Getreidefeld ungestört seinen Bau anlegen und Vorräte für den Winter sammeln. Im Winter befindet sich der Feldhamster dann im Winterschlaf und zehrt bei kurzen Aufwachphasen von diesen Vorräten.

Neben diesen beiden Säugetieren profitieren vor allem auch pflanzenfressende Singvögel von unseren Blühstreifen. Eine genaue Bestimmung ist natürlich schwierig, aber mit ein bisschen Muße lassen sich sehr leicht viele Vögel über das ganze Jahr beobachten. Eine Untersuchung von Wix et al. (2018) von der Lebnitz Universität Hannover hat im Herbst und Winter das Vorkommen von Vogelarten auf Blühflächen untersucht. Hier wurde festgestellt, dass in dieser Zeit das Vorkommen deutlich gegenüber der Ackerfläche erhöht war. Spannend ist, dass es vor allem pflanzenfressende Vögel waren, die die Blühstreifen besuchten, wie der Feldsperling, der Grünfink oder der Gimpel. Das bedeutet, dass es, obwohl die meisten Pflanzen abgestorben sind, auf unseren Blühstreifen trotzdem noch ein attraktives Nahrungsangebot in dieser schwierigen Jahreszeit gibt. Wichtig für die Vögel ist vor allem, dass die Blühstreifen nicht zu früh bearbeitet werden. Gerade die Zeit Februar bis März sind für die Natur die Hungermonate, sodass hier unsere Blühstreifen einen wichtigen Puffer bilden können.

Unsere Blühstreifen haben ganz vielfältige Bewohner. Schau also beim nächsten Besuch einmal ganz genau hin, welche Vögel und Säugetiere dort leben. Man kann jede Menge entdecken, wenn man sich ein bisschen Zeit nimmt!

Bildquellen:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:European_hamster_(Cricetus_cricetus)_Meidling.jpg by Charles J. Sharp, under https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alauda_arvensis_2.jpg by Daniel Patterson, under https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/se/deed.en

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chloris_chloris_(profile).jpg by Martin Kunz, under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.en

Chris

Currently a Tech-Enthusiast, Hobby-Photographer, Product Manager. Former Product Owner, Requirements Engineer, Consultant, Industrial Engineering Student with some degrees to show for. Does love Badminton, Photography, everything tech and travelling to beautiful locations, preferably without crowds.

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